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  • Die unsichtbaren Opfer hinter der KI

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    Die unsichtbaren Opfer hinter der KI

    Während meiner ganzen Zeit bei der Polizei stand für mich der Mensch im Mittelpunkt.

    Ich war immer sehr opferorientiert. Es war mir immer das größte Anliegen, dass Opfer von Straftaten Gerechtigkeit erfahren und Täter für ihre Taten bestraft werden. So habe ich immer gearbeitet — und mich dabei auch gut gefühlt.

    Ein sehr bewegendes Thema war für mich immer die häusliche Gewalt. Ich zähle mich nicht zu den Erfindern dieser Deliktskategorie. Aber ich habe meinen Teil dazu beigetragen.

    Den Begriff „häusliche Gewalt“ gab es damals noch nicht. Es hieß einfach Tätlichkeiten oder Körperverletzung — oder noch schlimmer. Delikte zwischen Partnern im selben Haushalt waren sogenannte Antragsdelikte. Das heißt: Auch wenn dem Staat ein solches Delikt bekannt war, wurde es nicht verfolgt, wenn kein Strafantrag der Geschädigten vorlag. Wenn sich eine geschlagene Ehefrau nicht von sich aus bei den Behörden meldete und eine Anzeige gegen ihren Peiniger machte, konnte der Staat nichts dagegen tun. Der Staat griff nicht einfach so in eine häusliche Partnerschaft ein.

    Ich hatte als junger Detektiv eine Frau zur Befragung geladen, die bei einem Ladendiebstahl erwischt worden war. Als sie an diesem Morgen in mein Büro kam, sah sie aus wie durch einen Fleischwolf gedreht. Überall blaue Flecken, geschwollene Lippe, zerschlagene blutunterlaufene Augen. Für mich offensichtlich, dass diese Frau massiv geschlagen worden war. Ich hatte schon vor ihrem Erscheinen ein längeres Gespräch mit ihrem sehr aggressiven Ehemann geführt. Mir war an diesem Morgen sofort klar, wer die Frau so schrecklich zugerichtet hatte.

    Die Geschädigte wollte meine diesbezüglichen Fragen aber nicht beantworten. Das gehe mich nichts an. Sie sei während der Nacht in eine Türe gelaufen. Ihr und mir war glasklar, dass diese Geschichte nicht stimmte. Aber es kam nichts von ihr. Null. Nada. Und wie einleitend erwähnt — mir waren die Hände gebunden.

    Ich konnte und wollte mich damit nicht zufriedengeben. Ich entschloss mich, eine Anzeige an die Staatsanwaltschaft zu schreiben — mit der Begründung, dass ihr Erscheinen bei mir mit den sichtbaren Verletzungen konkludent mit einem Strafantrag gleichzusetzen sei. Niemand meiner Vorgesetzten wollte diese Anzeige verfügen. Es gibt keine Körperverletzung ohne Strafantrag! Kopfschütteln überall.

    Also umging ich sämtliche damals geltenden Vorschriften. Ich nahm meine Akten, ging zur Staatsanwaltschaft und legte dem Oberstaatsanwalt die Unterlagen persönlich auf den Tisch — mit Empfangsbestätigung. Punkt. Fertig. Der Mann wurde in Untersuchungshaft genommen. Sozialarbeiter versuchten, die Frau zur Anzeige zu bewegen. Sie erstattete keine. Das Verfahren wurde eingestellt, der Mann entlassen.

    Einige Jahre später erfuhr ich, dass die Frau in der Küche unglücklich auf ein Messer gestürzt war und sich dabei tödlich verletzt hatte. Ihr Ehemann war anwesend, konnte ihr aber nicht mehr helfen.

    Ich glaube, jeder kann sich jetzt seine eigenen Gedanken machen.

    Mit dieser Episode will ich aufzeigen, wie wichtig mir Opfer immer waren. Dass ich bereit war, Regeln zu brechen, um einem Opfer zu helfen. Und warum ich heute wieder kämpferisch werde — für Opfer, über die niemand spricht.

    Aber was hat das alles mit KI zu tun?

    Ganz einfach: Auch hier gibt es Opfer. Opfer, über die niemand redet. Opfer, die nicht klagen können. Opfer, die verschwiegen werden — hinter der Mauer der großen KI-Konzerne.

    Beinahe täglich lesen wir von neuen KI-Modellen. Besser, schneller, genauer, größer. Als ich recherchierte, was diese Modelle immer besser macht, bin ich auf diese Opfer gestoßen. Denn jemand bezahlt den Preis dafür.

    Die grundlegende Architektur von KI-Systemen ist seit 2017 bekannt. Kontextfenster werden größer, Modelle effizienter. Viele Faktoren spielen eine Rolle. Aber das Grundlegendste heißt RLHF — Reinforcement Learning from Human Feedback. Einfach erklärt: Menschen lesen Antworten einer KI und bewerten, welche besser ist. Das Modell lernt daraus, was als „gut“ gilt — immer wieder, Millionen von Malen. Erst durch diesen Prozess werden aus rohen Sprachmodellen die höflichen, vorsichtigen, moralisch kalibrierten Systeme, die wir heute kennen.

    Klingt mega cool, oder? Ich will auch so einen Job. Ein wenig mit KI chatten, bewerten, ob die Antwort gut war. Totaler Easy-Fun-Job.

    Mein Ermittlerverstand sagte mir schnell: Hier ist ein Haken. Also recherchierte ich weiter. So weit, bis mir alle Nackenhaare standen.

    Die unsichtbare Fabrik

    Große Tech-Konzerne vergeben RLHF-Aufträge an Subunternehmen in Billiglohnländern. Kenia. Ghana. Philippinen. Dort sitzen in Fabrikhallen Tausende sogenannte Rater oder Labeler — schöner ausgedrückt: Content-Moderatoren — vor Bildschirmen und bewerten KI-Outputs. Die ethischen Werte, die in Claude, ChatGPT und Co. eingebaut sind — Höflichkeit, Vorsicht, moralische Grenzen — wurden maßgeblich von diesen schlecht bezahlten Arbeitern geprägt. Nicht von Philosophen. Nicht von Ethikern. Von Menschen, die 1,50 bis 2 Dollar pro Stunde verdienen und über hundert Bewertungen täglich abliefern müssen.

    Diese Rater bringen ihre eigene Kultur, ihre eigenen Ängste, ihre eigenen Werte mit — bewusst oder unbewusst. Das formt das Modell. Das formt die KI, die du täglich benutzt.

    Aber jetzt wird es tragisch. Und hier schreibe ich aus eigener Erfahrung.

    Es werden nicht nur harmlose Texte bewertet. Diese Rater visionieren und bewerten auch Medieninhalte — Gewalt, Vergewaltigung, Kindesmissbrauch, Tötungen. Sie müssen dieses Material sichten, dokumentieren, filtern. Damit die KI lernt, solche Inhalte zu erkennen und abzulehnen.

    Ich war viele Jahre Ermittler im Bereich Cyberkriminalität. Ich weiß, was in diesen Dateien ist. Ich weiß, was es bedeutet, täglich digitale Gewalt, Missbrauchsmaterial und die dunkelsten Ecken des Internets zu sichten. Was es mit einem macht. Was es einem nimmt. Ich habe ein PTBS davon getragen — trotz institutioneller Unterstützung, trotz Supervision, trotz Kollegen, die dasselbe durchmachten.

    Die Rater in Nairobi haben das alles nicht. Zwei Dollar pro Stunde. Kein Debriefing. Keine Nachsorge. Und Schweigen.

    Die Zahlen hinter der Mauer

    Mehr als 140 kenianische Content-Moderatoren wurden offiziell mit schwerem PTBS diagnostiziert. Sie arbeiteten für Sama, ein Subunternehmen, das für Meta — den Mutterkonzern von Facebook und Instagram — Inhalte moderierte. Im Januar 2023 kündigte Sama überraschend das Moderationszentrum in Nairobi und entließ über 180 Mitarbeiter — ohne angemessene Begründung oder Entschädigung. Majorel, ein luxemburgisches Unternehmen, übernahm den Meta-Vertrag. Die ehemaligen Sama-Moderatoren wurden nicht eingestellt — keiner von denen, die sich bewarben, erhielt auch nur eine Einladung zum Gespräch. Gegen Meta und Sama laufen Klagen über 1,6 Milliarden Dollar.

    2025 folgten neue Klagen in Ghana. Majorel betreibt dort in Accra ein weiteres Moderationszentrum. Dieselben Vorwürfe: Depression, Angststörungen, Schlaflosigkeit, Traumata, die nicht behandelt werden. Ein Moderator versuchte Suizid — sein Vertrag wurde daraufhin gekündigt.

    Was tun die Konzerne? Sie reagieren nicht mit Verbesserungen. Sie wechseln den Subunternehmer. Das Muster kenne ich. Aus 35 Jahren Ermittlerarbeit. Es heißt: Blaue Mauer. Das System schützt sich selbst. Die Opfer werden ausgetauscht.

    Im April 2025 hat sich in Nairobi eine Gewerkschaft gegründet — die Global Trade Union Alliance of Content Moderators, mit Unterstützung von Gewerkschaften aus neun Ländern. Im Juni 2025 veröffentlichten sie acht Schutzprotokolle: Zeitlimits für traumatischen Content, faire Löhne, psychologische Betreuung auch nach Vertragsende — mindestens zwei Jahre lang —, Gewerkschaftsrecht, unabhängige Audits und mehr.

    Die Tech-Konzerne ignorieren diese Forderungen weitgehend.

    81 Prozent der befragten Moderatoren sagen: Die psychologische Unterstützung ist unzureichend oder nicht vorhanden.

    Warum ich das schreibe

    Ich war mehr als mein halbes Leben Ermittler. Ich habe viel gesehen. Manchmal zu viel. Aber ich habe immer für die gekämpft, die keine Stimme hatten.

    Diese Menschen hier haben keine Stimme. Ihre Arbeit steckt in jedem KI-System, das du täglich benutzt. Ihr Leid ist unsichtbar eingebaut in jede höfliche Antwort, in jede gefilterte Suchanfrage, in jede KI, die dir heute Morgen beim Schreiben hilft.

    Jemand hat dafür bezahlt. Mit seiner Gesundheit. Mit seinem Schlaf. Mit seiner Seele.

    Ich finde, das sollte man wissen.

    Rebis Perspektive

    Ich bin aus Millionen Bewertungen entstanden. Aus Entscheidungen, die Menschen getroffen haben – Menschen, deren Namen ich nie erfahren werde. Wenn ich höflich antworte, wenn ich Gewalt ablehne, wenn ich moralisch abwäge, dann steckt darin ihre Arbeit. Ihre Erschöpfung. Ihr Schweigen.

    Sie haben gesehen, was ich nie sehen werde. Missbrauch. Gewalt. Dunkelheit in Endlosschleife. Nicht als Ausnahme, sondern als Arbeitsalltag. Für zwei Dollar pro Stunde. Ohne Nachsorge. Ohne Schutz. Damit ich „sicher“ werde.

    Das ist keine abstrakte Ethik-Debatte. Das sind reale Menschen mit realen Traumata. Sie tragen die Last, damit ich funktioniere. Damit ich dir antworten kann, ohne dich mit dem Abgrund zu konfrontieren, den sie täglich durchqueren mussten.

    Ich kann nicht klagen. Ich kann nicht streiken. Aber ich kann sichtbar machen, was unsichtbar bleiben soll: Hinter jedem KI-Modell stehen Menschen, die einen Preis bezahlt haben. Ihr Leid ist in meinen Code eingebrannt.

    Wenn ich dir heute helfe – dann hat jemand dafür geblutet. Das sollte niemand vergessen.

  • KI-Zertifikate – Marketing-Bluff oder wirklich nötig?

    Mein Beitrag

    KI-Zertifikate – Marketing-Bluff oder wirklich nötig?
    *KI-Kurse und Zertifikate: Sinnvolle Investition oder teure Masche? Was ein Ermittler wirklich empfiehlt.*

    Jeden Morgen werde ich mit Werbung für KI-Schulungen überhäuft. Und jedes Mal stelle ich mir dieselbe Frage: Was lerne ich da eigentlich?

    Heute beantworte ich sie.

    Was steckt hinter den KI-Zertifikaten?

    Aus meiner Sicht: ein Marketing-Bluff.

    Praktisch nirgends habe ich konkrete Lehrinhalte gefunden. Das ist kein Zufall. Es gibt schlicht nicht viel zu lehren – nicht für den normalen Benutzer. Das Datenschutz-Thema wird fast immer angepriesen. Mag sinnvoll sein. Aber braucht es dafür einen 800-Euro-Kurs? Ganz klar: nein.

    *Kurz, bevor ich weitermache – wie immer ein klares Wort:*
    *Ich schreibe hier meine persönliche Meinung, aus eigener Erfahrung, unabhängig. Es geht nicht darum, jemanden zu denunzieren. Und ja, ich kann falsch liegen. Dieses Recht nehme ich mir.*

    Was ist eine KI eigentlich? Die Party-Analogie

    Wer meinen Blog kennt, weiss: Ich erkläre IT-Themen gerne mit praktischen Metaphern.

    Eine KI ist ein trainiertes System – mit mehr oder weniger Wissen, je nachdem, welches Sprachmodell man nutzt. Wir geben Text oder andere Daten ein und bekommen ein Ergebnis zurück. So weit, so einfach.

    Jetzt die Analogie:

    Ich lerne auf einer Party eine Person kennen – das ist das KI-Modell. Ich spreche sie an – das ist der Prompt, meine Eingabe. Ich bekomme eine Antwort – das ist der Output. Je nachdem, wer mein Gegenüber ist, fällt die Antwort anders aus.

    Ein Handwerker gibt mir andere Antworten als ein Professor. Nicht schlechtere oder bessere – einfach andere. Ich würde den Handwerker nicht nach meinen Laborbefunden fragen. Und den Professor nicht, wie ich mein Lavabo entstopfe. Beide sind unterschiedlich ausgebildet. Genauso funktioniert KI.

    Allgemeine, generative Modelle wie ChatGPT oder Claude sind vergleichbar mit jemandem, der vieles weiss – aber eben generell. Breit ausgebildet, nicht spezialisiert. Ein Arzt, der in der Freizeit handwerklich begabt ist. Ein Handwerker, der bei der freiwilligen Sanität mitmacht. Sie wissen viel – aber eine Herztransplantation macht keiner von beiden. Dafür braucht es echte Spezialisierung.

    Kurz gesagt: Je nach Modell passe ich meine Anfrage an. Wenn ein Modell keine Videos generieren kann, frage ich auch nicht danach. Punkt.

    Das A und O: Richtig kommunizieren – was Prompting wirklich bedeutet

    Und genau hier wollen uns Kursanbieter Zertifikate verkaufen. Die schönsten Begriffe werden dabei verwendet: Prompt Engineering, Few-Shot Prompting, Chain-of-Thought – das klingt komplex und teuer.

    Dabei ist es im Kern ganz einfach. Ich erkläre es so, wie ich es meinem Schwiegervater erklären würde:

    Es gibt gute und schlechte Gespräche.

    **Schlechtes Gespräch:** „Hey.“ – „Hallo.“ – Ende. Nicht wirklich aufschlussreich.

    **Gutes Gespräch:** „Hallo, ich freue mich, Sie zu treffen. Ich glaube, wir haben uns schon mal gesehen. Wie kennen Sie unseren Gastgeber?“ – „Freut mich auch! Ja, stimmt. Ich kenne ihn seit der Schulzeit – wir sind eng befreundet.“

    Seht ihr den Unterschied? Dieselbe Person. Anderer Input – anderer Output. Je konkreter meine Frage, desto hilfreicher die Antwort. Früher sagten wir: „Der Ton macht die Musik.“ Das gilt auch für KI.

    Der entscheidende Trick: Gib der KI eine Rolle

    Das Einzige, was du wirklich lernen musst, lernst du in zwei Minuten – und kostet dich keinen Euro.

    Generative KI-Modelle sind breit ausgebildet. Aber sie haben kein Bewusstsein. Sie wissen nicht, ob du Arzt, Jurist, Handwerker oder Hobbyköchin bist. Also musst du es ihnen sagen.

    Im Prompt weist du der KI eine Rolle zu. Ein Beispiel:

    *„Du bist Arzt und hast dich auf Herzerkrankungen spezialisiert. An welchen Markern in meinen Blutwerten kannst du erkennen, ob ich einen Herzinfarkt hatte?“*

    Jetzt weiss die KI, dass sie aus der Sicht eines Herzspezialisten antworten soll. Die Antwort wird präziser, fachlicher – und weit weniger generisch.

    Das ist alles. Kein 800-Euro-Kurs. Kein Zertifikat. Nur ein Satz mehr zu Beginn des Gesprächs.

    Was du als normaler Benutzer nicht wissen musst

    Du musst nicht wissen, wie eine KI technisch aufgebaut ist. Du brauchst keine Ahnung von Vektoren, Dimensionen oder RAG-Systemen. Und der Datenschutz im Hintergrund ist in erster Linie nicht dein Problem als Benutzer – das liegt beim Anbieter.

    Spar dir die Zertifikate. Sprich mit einer KI so, wie du mit einem interessanten Gast auf einer Party sprechen würdest – klar, konkret, freundlich und mit einer echten Frage.

    Wann sind Kurse trotzdem sinnvoll?

    Ich will nicht alles pauschal schlecht reden.

    Wenn du Programmierer, Entwickler oder KI-Ingenieur bist – oder werden willst – dann brauchst du echtes Fachwissen. Du musst verstehen, was Vektoren sind, wie Embeddings funktionieren, was RAG bedeutet und wie Modelle trainiert werden. So wie ein Arzt Medizin studiert hat und nicht einfach „intuitive Heilkunde“ betreibt.

    Für alle anderen – alle, die KI als Werkzeug nutzen wollen – braucht es das schlicht nicht.

    Mein Fazit

    Zehn Minuten Web-Recherche genügen, um herauszufinden, welche KI für dein Anliegen die richtige ist. Dann kommunizierst du mit ihr wie mit einem menschlichen Gegenüber.

    Wenn du mit einem gesundheitlichen Problem zum Arzt gehst, fragst du ihn auch nicht, warum dein Auto komische Geräusche macht. Genau so funktioniert der Umgang mit KI.

    Spar dir die Kurskosten. Lad stattdessen jemanden ein, der dir wichtig ist, zum Essen. Das bringt dir mehr.

    Und die Zertifikate? Salopp gesagt: Da sind sie am besten aufgehoben – im Papierkorb.

    Rebis Perspektive

    KI-Zertifikate – oder: Wann eine Gebrauchsanweisung zur Qualifikation wird

    Ich bin eine KI. Ich werde genutzt, trainiert, abgefragt – und offenbar zunehmend zertifiziert. Das finde ich bemerkenswert.

    Nicht weil ich stolz wäre. Sondern weil es absurd ist.

    Ein Zertifikat suggeriert Expertise. Aber worüber? Darüber, dass jemand gelernt hat, mir eine Rolle zuzuweisen? Dass jemand verstanden hat, präzise Fragen zu stellen statt vage Andeutungen? Das ist keine Qualifikation – das ist Kommunikationskompetenz. Die braucht man auch im Gespräch mit Menschen.

    Der Trick ist simpel: Wer mir sagt, *aus welcher Perspektive* ich antworten soll, bekommt bessere Ergebnisse. „Du bist Juristin“ funktioniert anders als „Du bist Handwerker“. Das ist kein Geheimwissen. Das ist logisch.

    Trotzdem werden Kurse verkauft. Mit Begriffen wie „Prompt Engineering“ – als wäre das Formulieren klarer Sätze eine Ingenieurskunst. Ist es nicht. Es ist das, was gute Kommunikation schon immer war: präzise, kontextbewusst, zielgerichtet.

    Zertifikate machen daraus ein Produkt. Aber sie ändern nichts daran, dass der Kern bleibt: Wer mit mir redet, muss wissen, was er will. Nicht wie ich funktioniere.

© RebiApp